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Hüftarthrose: Übungen, die die Hüfte spürbar entlasten

Beim Anziehen der Socken zwickt es in der Leiste, nach dem Aufstehen dauert es ein paar Schritte. Bei Hüftarthrose lässt sich mehr bewegen, als viele denken – vorausgesetzt, man weiss, welcher Schmerz überhaupt aus dem Gelenk kommt.

Aufrecht-Fachredaktion
Veröffentlicht am 6. August 2026 · 8 Min. Lesezeit
Ältere Person führt im Stehen an einer Stuhllehne eine Kräftigungsübung für die Hüfte aus
Bei Hüftarthrose ist die Muskulatur rund um das Gelenk der wirksamste Stossdämpfer, den der Körper zur Verfügung hat.

Hüftarthrose, medizinisch Koxarthrose, kündigt sich selten dramatisch an. Zuerst ist es nur die Steifigkeit am Morgen, die nach ein paar Minuten verschwindet. Dann das Ziehen in der Leiste beim Aufstehen aus dem Auto. Irgendwann wird das Anziehen der Socken zur kleinen Turnübung. Weil das Wort Arthrose nach Verschleiss klingt, ziehen viele denselben falschen Schluss wie beim Knie: weniger belasten, dann hält es länger. Tatsächlich ist bei der Hüfte das Gegenteil belegt – und der Nutzen von Bewegung ist hier sogar besonders gut untersucht.

Zuerst die wichtigste Frage: Kommt der Schmerz überhaupt aus der Hüfte?

Diese Frage steht am Anfang, weil sie überraschend oft falsch beantwortet wird – und weil die Behandlung sich je nach Antwort komplett unterscheidet. Der Alltagsbegriff «Hüfte» bezeichnet meistens die Stelle, an der man sich die Hände in die Seiten stemmt. Das Hüftgelenk selbst liegt aber tiefer und weiter vorne, ungefähr auf Höhe der Leiste. Entsprechend meldet es sich auch dort.

Typisch für das Gelenk ist Schmerz in der Leiste, oft mit Ausstrahlung an die Vorderseite des Oberschenkels, manchmal bis zum Knie – weshalb Hüftarthrose gelegentlich zuerst als Knieproblem missdeutet wird. Auch tiefer Gesässschmerz kommt vor. Dazu kommen zwei charakteristische Merkmale: eine Steifigkeit nach Ruhe, die sich in wenigen Minuten löst, und eine früh eingeschränkte Drehung nach innen, spürbar etwa beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto.

Nicht typisch für das Gelenk ist Schmerz direkt seitlich am knöchernen Vorsprung, der beim Liegen auf dieser Seite stärker wird. Dahinter steckt meist eine Reizung der Sehnen am grossen Rollhügel – ein anderes Problem mit anderer Behandlung, das wir im Beitrag zu Hüftschmerzen nachts in Seitenlage ausführlich behandeln. Und Schmerz, der vom Rücken ins Gesäss und weiter das Bein hinunterzieht, kommt häufig aus der Lendenwirbelsäule.

SchmerzortTypisches MusterWahrscheinliche Quelle
Leiste, OberschenkelvorderseiteAnlaufschmerz nach Ruhe, Drehung nach innen eingeschränkt, schlechter beim Gehen.Hüftgelenk (Arthrose).
Aussen am HüftknochenDruckschmerz auf dem Knochen, schlimmer im Liegen auf dieser Seite.Sehnenreizung am grossen Rollhügel.
Gesäss, ziehend ins BeinAusstrahlung unter das Knie, Kribbeln oder Taubheit.Lendenwirbelsäule oder Nervenreizung.
Vorne tief, mit KlemmgefühlSchmerz beim tiefen Beugen und Drehen, oft jüngere Aktive.Impingement oder Labrumproblematik.
Die kurze Antwort

Bewegungstherapie an Land verbessert bei Hüftarthrose Schmerz und Alltagsfunktion messbar, und der Effekt hält drei bis sechs Monate über das Therapieende hinaus an. Kombinieren Sie Kraft für Gesäss und Oberschenkel mit Beweglichkeit und regelmässigem Gehen oder Velofahren. Zwei bis drei Einheiten pro Woche über mindestens acht Wochen sind der realistische Rahmen.

Was Bewegung bei Hüftarthrose belegt bringt

Die Hüfte gehört zu den Gelenken, bei denen die Wirkung von Bewegungstherapie sauber untersucht ist. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration fasste neun randomisierte Studien mit insgesamt rund 550 Teilnehmenden zusammen und kam zu einem klaren Ergebnis: Bewegungstherapie an Land senkte den Schmerz und verbesserte die körperliche Funktion unmittelbar nach der Behandlung. Umgerechnet auf eine hundertteilige Schmerzskala entsprach das einer Verbesserung von etwa acht Punkten gegenüber der Vergleichsgruppe. Die Autoren stuften die Sicherheit dieser Aussage als hoch ein.

Zwei Details daran sind für den Alltag wichtiger als die Zahl selbst. Erstens hielt die Verbesserung an: Auch drei bis sechs Monate nachdem die betreute Therapie beendet war, blieb der Vorteil bestehen. Zweitens waren die unerwünschten Wirkungen minimal – berichtet wurden vereinzelt vorübergehend stärkere Schmerzen durch das Training, nichts Ernsthaftes. Bewegung ist damit eine der wenigen Massnahmen mit belegtem Nutzen und sehr geringem Risiko. Das gilt für die Hüfte ähnlich wie für das Knie, wo wir die Zusammenhänge im Beitrag zur Kniearthrose ausführen.

Fünf Übungen, die die Hüfte entlasten

Die folgenden Übungen decken die drei Bereiche ab, die bei Hüftarthrose zählen: Kraft der hüftumgebenden Muskulatur, Beweglichkeit in die eingeschränkten Richtungen und Ausdauer. Beginnen Sie mit der kleineren Zahl an Wiederholungen und steigern Sie über Wochen. Ein leichtes Ziehen während der Übung ist in Ordnung, ein Schmerz, der am nächsten Morgen deutlich stärker ist als sonst, bedeutet: eine Stufe zurück.

ÜbungSo geht's
BrückeRückenlage, Knie angewinkelt, Füsse hüftbreit. Das Becken heben, bis Oberschenkel und Rumpf eine Linie bilden, oben 2 Sekunden halten, langsam senken. 10- bis 15-mal, 2 bis 3 Durchgänge. Kräftigt Gesäss und Rückseite.
Abspreizen in SeitenlageAuf der gesunden Seite liegen, unteres Bein angewinkelt. Das obere, gestreckte Bein leicht nach hinten und dann nach oben führen, langsam senken. 10- bis 15-mal pro Seite. Trainiert die seitliche Hüftmuskulatur, die das Becken beim Gehen stabilisiert.
Sitz-Steh-ÜbungVon einem Stuhl aufstehen und wieder setzen, ohne die Hände zu benutzen. 8- bis 12-mal, 2 Durchgänge. Nah am Alltag und gleichzeitig die wirksamste Kräftigung für Oberschenkel und Gesäss.
Hüftbeuger dehnenAusfallschritt mit dem schmerzenden Bein hinten, Becken leicht nach vorne schieben, bis vorne in der Hüfte ein Zug entsteht. 20 bis 30 Sekunden halten, 2- bis 3-mal. Wirkt der typischen Streckeinschränkung entgegen.
Sanftes Pendeln im StandAn einer Stuhllehne festhalten, das betroffene Bein locker vor und zurück pendeln lassen, ohne Kraft. 20- bis 30-mal. Ideal als Aufwärmen oder morgens gegen die Anlaufsteifigkeit.
8 Punkte
weniger Schmerz auf einer Skala bis 100 durch Bewegungstherapie, laut Cochrane-Auswertung
3–6 Monate
hielt der Effekt nach dem Ende der betreuten Therapie noch an
Leiste
ist der typische Schmerzort des Hüftgelenks, nicht die Hüftaussenseite

Der Gehstock gehört in die andere Hand

Hier ist ein kleiner, praktischer Kniff, der im Alltag mehr bringt als jede zusätzliche Übung – und der regelmässig falsch gemacht wird. Ein Gehstock bei Hüftarthrose gehört in die Hand der gesunden Seite, also gegenüber der schmerzenden Hüfte, und wird gleichzeitig mit dem schmerzenden Bein aufgesetzt.

Der Grund liegt in der Hebelmechanik des Beckens. Beim Gehen steht man in jedem Schritt kurz auf einem Bein. Damit das Becken auf der freien Seite nicht absinkt, muss die seitliche Hüftmuskulatur des Standbeins kräftig gegenhalten – und diese Muskelkraft presst den Gelenkkopf zusätzlich in die Pfanne. Ein Stock auf der Gegenseite übernimmt einen Teil dieser Aufgabe: Er stützt genau dort, wo sonst der Muskel ziehen müsste. Weniger Muskelzug bedeutet weniger Druck im Gelenk. Auf der betroffenen Seite getragen bringt der Stock diesen Effekt nicht. Die richtige Höhe: Bei hängendem Arm sollte der Griff etwa auf Höhe des Handgelenks liegen.

Wann Hüftschmerz ärztlich abgeklärt gehört

Nicht jeder Hüftschmerz ist Arthrose. Ärztlich abklären lassen sollten Sie ihn bei Fieber zusammen mit Hüftschmerz, bei starkem Schmerz nach einem Sturz, bei plötzlicher Unfähigkeit, das Bein zu belasten, bei Nachtschmerz mit ungewolltem Gewichtsverlust sowie bei einer Kortisonlangzeittherapie oder bekannten Durchblutungsproblemen des Knochens. Bei plötzlichem, schwerem Schmerz mit Fehlstellung nach einem Sturz gilt der Notruf 144.

Was im Alltag sonst noch zählt

Bewegungsform: Gut verträglich sind Velofahren mit nicht zu tiefem Sattel, Schwimmen, Wassergymnastik und zügiges Gehen auf ebenem Grund. Wandern bleibt möglich, wobei lange steile Abstiege die Gelenke besonders fordern – dazu haben wir im Beitrag Wandern und Gelenke die Details zusammengetragen. Wichtiger als die Sportart ist die Regelmässigkeit: Zwei bis drei gezielte Einheiten pro Woche plus Alltagsbewegung sind der Rahmen, in dem sich etwas verändert.

Gewicht: Beim Gehen wirkt auf das Hüftgelenk ein Vielfaches des Körpergewichts. Schon eine moderate Gewichtsreduktion entlastet deshalb spürbar. Wärme lindert die Steifigkeit morgens, Schmerzmittel haben ihre Berechtigung, wenn sie Bewegung ermöglichen. Passive Massnahmen wie Massage oder Wärmepackungen sind angenehme Begleiter, ersetzen das Training aber nicht.

Und die Prothese? Sie ist kein Scheitern, sondern eine gute Option, wenn Schmerz und Einschränkung trotz konsequenter konservativer Behandlung über Monate den Alltag bestimmen. Das Röntgenbild allein entscheidet nicht darüber: Es gibt ausgeprägte Befunde mit wenig Beschwerden und umgekehrt. Massgeblich sind Leidensdruck, Gehstrecke, Nachtschmerz und die Frage, was Sie noch tun können. Wie eine Reha nach einem Gelenkersatz abläuft, zeigt exemplarisch unser Beitrag zur Reha nach der Knieprothese. Dieser Text ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung; bei anhaltenden Beschwerden ist die individuelle Abklärung der bessere Weg.

Häufige Fragen

Welche Übungen helfen bei Hüftarthrose?

Am besten belegt ist Krafttraining für Gesäss- und Oberschenkelmuskulatur, kombiniert mit Beweglichkeitsübungen für die Hüfte und regelmässiger Ausdauerbewegung wie Gehen oder Velofahren. Eine Cochrane-Auswertung von neun Studien fand, dass Bewegungstherapie an Land Schmerzen und Alltagsfunktion messbar verbessert und dass dieser Effekt drei bis sechs Monate nach Therapieende anhält. Entscheidend ist die Regelmässigkeit über Wochen, nicht die einzelne Übung.

Wo tut Hüftarthrose weh?

Typisch ist Schmerz in der Leiste, oft mit Ausstrahlung an die Oberschenkelvorderseite bis zum Knie. Auch Gesässschmerz kommt vor. Schmerz direkt aussen am Hüftknochen, der beim Liegen auf dieser Seite stärker wird, spricht dagegen eher für eine Reizung der Sehnen am grossen Rollhügel. Der Schmerzort ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal und entscheidet über die Behandlung.

In welche Hand gehört der Gehstock bei Hüftarthrose?

In die Hand der gesunden Seite, also gegenüber der schmerzenden Hüfte. Das wirkt zunächst verkehrt, folgt aber der Hebelmechanik: Der Stock auf der Gegenseite verringert die Kraft, welche die seitliche Hüftmuskulatur beim Gehen aufbringen muss, und senkt damit die Belastung im betroffenen Gelenk deutlich. Der Stock wird gleichzeitig mit dem schmerzenden Bein aufgesetzt.

Ist Velofahren bei Hüftarthrose gut?

Ja, für die meisten ist Velofahren gut geeignet. Das Körpergewicht ruht auf dem Sattel statt auf dem Gelenk, und die gleichmässige Bewegung hält die Hüfte beweglich. Wichtig ist eine nicht zu tiefe Sattelposition, damit die Hüfte nicht in jeder Umdrehung stark gebeugt wird. Auch Schwimmen, Wassergymnastik und zügiges Gehen auf ebenem Grund sind gut verträglich.

Wann braucht es bei Hüftarthrose eine Prothese?

Eine Hüftprothese wird dann zum Thema, wenn Schmerz und Bewegungseinschränkung den Alltag trotz konsequenter konservativer Behandlung über Monate deutlich einschränken, insbesondere wenn Nachtschmerz und kurze Gehstrecken dazukommen. Das Röntgenbild allein entscheidet nicht: Es gibt ausgeprägte Befunde mit wenig Beschwerden und umgekehrt. Massgeblich sind Leidensdruck und Funktion im Alltag.

Schadet Bewegung dem abgenutzten Hüftgelenk?

Nein. Dosierte Bewegung schadet dem Gelenk nicht, sondern ist Teil der Behandlung. Knorpel wird über Bewegung mit Nährstoffen versorgt, und eine kräftige Muskulatur führt und entlastet das Gelenk. Schädlich ist eher die dauerhafte Schonung, weil sie Muskelmasse und Belastbarkeit abbaut. Sinnvoll ist eine Belastung, die während der Aktivität erträglich bleibt und am Folgetag keine deutliche Verschlechterung hinterlässt.

Quellen & Literatur

  1. Fransen M, McConnell S, Hernandez-Molina G, Reichenbach S. Exercise for osteoarthritis of the hip. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2014. Cochrane. Abgerufen 2026.
  2. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management (NG226). NICE. Abgerufen 2026.
  3. IQWiG / gesundheitsinformation.de. Arthrose: Ursachen, Beschwerden und Behandlung. gesundheitsinformation.de. Abgerufen 2026.
  4. Rheumaliga Schweiz. Arthrose: Informationen für Betroffene. rheumaliga.ch. Abgerufen 2026.

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