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Hüftschmerzen nachts in Seitenlage: Ursachen und Tipps

Der Schmerz meldet sich, sobald man auf der Seite liegt, und reisst einen aus dem Schlaf. Meist steckt keine Arthrose dahinter, sondern eine gereizte Sehne – und ausgerechnet Dehnen macht es oft schlimmer. Was hilft, und was Sie im Bett ändern können.

Aufrecht-Redaktion
Veröffentlicht am 2. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit
Frau liegt seitlich im Bett und fasst sich an die schmerzende äussere Hüfte, ein Kissen liegt zwischen den Knien
Ein festes Kissen zwischen den Knien hält die Hüfte in Position und nimmt Druck von der gereizten Gesässsehne.

Es ist ein vertrautes Muster: Tagsüber ist die Hüfte kaum ein Thema, doch sobald man sich abends auf die Seite dreht, beginnt ein tiefer, brennender Schmerz aussen am Hüftknochen. Man dreht sich auf die andere Seite – und nach einer Weile schmerzt es dort ebenso. Besonders oft trifft es Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Wer im Netz nach der Ursache sucht, landet schnell bei Matratzenwerbung oder bei der Warnung, es könne Arthrose sein. Beides greift meist zu kurz. In den allermeisten Fällen ist der nächtliche seitliche Hüftschmerz kein Gelenk- und kein Matratzenproblem, sondern eine Reizung der Sehnen, die die Gesässmuskeln am Hüftknochen verankern.

Warum die Hüfte nachts in Seitenlage schmerzt

Am äusseren, tastbaren Knochenvorsprung der Hüfte – dem grossen Rollhügel oder «Trochanter major» – setzen die Sehnen der mittleren und kleinen Gesässmuskeln an. Werden diese Sehnen überlastet oder gereizt, spricht man vom Grosse-Trochanter-Schmerzsyndrom, medizinisch auch Gluteal­tendinopathie genannt. Früher wurde dieselbe Stelle fast reflexartig als «Schleimbeutelentzündung» abgetan, doch bildgebende und operative Untersuchungen zeigen: Meist ist nicht der Schleimbeutel das Problem, sondern die Sehne selbst. Der Schmerz sitzt genau über dem Knochen, strahlt manchmal aussen ins Bein aus und wird beim Liegen auf der Seite, beim Treppensteigen oder nach längerem Sitzen schlimmer.

Warum ausgerechnet nachts? In Seitenlage passiert zweierlei. Liegt man auf der betroffenen Seite, presst das Körpergewicht die empfindliche Sehne direkt gegen die Unterlage. Liegt man auf der gesunden Seite, kippt das obere Bein nach vorne und unten über die Mittellinie – und genau diese Stellung klemmt die Sehne der oberen Hüfte gegen den Knochen ein. So kommt es, dass beide Seiten wehtun können. Der Schmerz ist also kein Zeichen für eine kaputte Matratze, sondern eine Frage der Position, in der die Sehne über Stunden unter Druck gerät.

Wann ärztlich abklären lassen

Ein plötzlich einschiessender Hüftschmerz nach einem Sturz, Schmerz mit Fieber, Rötung oder starker Schwellung, ausstrahlende Beschwerden mit Taubheit oder Schwäche im Bein, oder Schmerz, der auch in Ruhe unerträglich wird, gehören rasch ärztlich abgeklärt. Bei einem medizinischen Notfall gilt in der Schweiz die Notrufnummer 144.

Ist es Arthrose? Meist nicht

Die Sorge vor Arthrose ist verständlich, aber der Ort des Schmerzes verrät oft schon viel. Hüftarthrose macht sich typischerweise tief in der Leiste oder im Gesäss bemerkbar, verstärkt sich beim Gehen und schränkt die Beweglichkeit des Gelenks ein – das Anziehen von Socken oder das Ein- und Aussteigen aus dem Auto fällt schwer. Der seitliche Hüftschmerz beim Grosse-Trochanter-Schmerzsyndrom liegt dagegen weiter aussen, genau auf dem tastbaren Knochen, und lässt sich oft mit einem Finger punktgenau zeigen. Er tritt beim Draufliegen und bei Belastung der Sehne auf, während das Gelenk selbst frei beweglich bleibt.

Das Syndrom ist häufig: Schätzungen zufolge ist bis zu rund jede vierte Frau und etwa jeder zwölfte Mann zwischen 50 und 75 Jahren im Lauf des Lebens davon betroffen. Betroffene berichten über eine ähnlich eingeschränkte Lebensqualität wie Menschen mit fortgeschrittener Hüftarthrose – nur mit dem grossen Unterschied, dass die Sehne auf gezielte Belastung reagiert und sich gut behandeln lässt. Sicher unterscheiden lassen sich beide Bilder nur durch eine ärztliche Untersuchung, bei Bedarf ergänzt durch Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie. Die Selbstverdachts­diagnose ersetzt das nicht, hilft aber, die richtige Frage zu stellen.

Der übersehene Faktor: Kompression statt Dehnung

Hier liegt der Punkt, den viele Ratgeber verschweigen. Weil sich der seitliche Hüftschmerz «verspannt» anfühlt, ist der erste Reflex oft, die Hüfte zu dehnen – das Knie zur Gegenseite ziehen, das Bein überschlagen, den bekannten «Taubenstretch» aus dem Yoga. Genau das ist bei einer gereizten Gesässsehne meist kontraproduktiv. Alle diese Bewegungen ziehen das Bein über die Körpermitte und pressen die Sehne dabei fest gegen den Knochen. Man reizt also ausgerechnet die Struktur, die man beruhigen möchte. Fachleute sprechen von Kompression, und die Vermeidung dieser Kompression ist ein Kernbaustein jeder wirksamen Behandlung.

Praktisch heisst das: Positionen, in denen das betroffene Bein nach innen über die Mittellinie wandert, sollten gemieden werden. Dazu zählen das Übereinanderschlagen der Beine im Sitzen, das «Hüfte-Ausstellen» beim Stehen, bei dem man das Becken auf eine Seite kippt, sowie tiefe Dehnungen, die die Hüfte quer über den Körper ziehen. Es geht nicht um völlige Schonung – Bewegung tut der Sehne gut –, sondern darum, die immer gleiche einklemmende Haltung aus dem Alltag und aus der Nacht zu nehmen. Diese kleine Umstellung erklärt kaum ein Suchtreffer, dabei ist sie oft der erste spürbare Fortschritt.

Reizt die Sehne (meiden)Entlastet die Sehne (besser)
Auf der schmerzenden Seite liegenRückenlage oder Liegen auf der besseren Seite mit Kniekissen
Oberes Bein nachts nach innen kippen lassenFestes Kissen zwischen den Knien, Beine parallel
Beine übereinanderschlagen im SitzenBeide Füsse nebeneinander auf dem Boden
Hüfte quer über den Körper dehnenGesässmuskeln gezielt kräftigen
Im Stand das Becken auf eine Seite kippenGewicht gleichmässig auf beide Beine verteilen

Das richtige Kissen-Setup fürs Bett

Bevor man an einen Matratzenkauf denkt, lohnt sich das Umbauen der Schlafposition – meist genügt ein zweites Kissen. Am schonendsten ist für viele die Rückenlage mit einem flachen Kissen unter den Knien, weil dabei kein Gewicht auf der Sehne liegt. Wer nicht auf dem Rücken schlafen kann, wählt die Seitenlage auf der weniger schmerzhaften Seite und schiebt ein festes, ausreichend dickes Kissen zwischen die Knie. Wichtig ist, dass das Kissen von den Knien bis zu den Knöcheln reicht: So bleibt das ganze obere Bein auf Höhe der Hüfte, statt vorne abzukippen und die Sehne einzuklemmen.

Ein Kissen zwischen den Knien wirkt genau deshalb, weil es die einklemmende Innenrotation verhindert. Es sollte fest genug sein, um über Stunden nicht flach zu werden – ein weiches Federkissen sackt zusammen und verliert die Wirkung. Auf der betroffenen Seite zu liegen lässt sich manchmal erträglicher machen, indem man ein weiches Kissen oder einen Matratzentopper unter die Hüfte legt, doch grundsätzlich gilt: die gereizte Seite nachts möglichst nicht direkt belasten. Wer diese kleinen Änderungen ein paar Nächte konsequent durchhält, merkt oft schon, ob der Schlaf ruhiger wird – ganz ohne Neuanschaffung.

40–60
Jahre – das typische Alter, in dem Frauen am häufigsten seitlichen Hüftschmerz entwickeln
≈ 1 von 4
Frauen zwischen 50 und 75 ist im Lauf des Lebens betroffen
8 Wochen
nach denen ein Programm aus Aufklärung und Übungen in Studien deutlich wirkte

Kräftigen statt dehnen: was die Forschung zeigt

Wenn Dehnen die Sehne reizt, was hilft dann? Die beste Evidenz spricht klar für Aufklärung über die Belastung plus gezieltes Kräftigen der Gesässmuskulatur. In einer grossen randomisierten Studie aus Australien (dem sogenannten LEAP-Versuch) wurden Betroffene mit Glutealtendinopathie in drei Gruppen aufgeteilt: ein Programm aus Belastungssteuerung und Übungen, eine Kortisonspritze, oder abwarten. Nach acht Wochen schnitt die Gruppe mit Übungen und Aufklärung deutlich besser ab als die beiden anderen – und dieser Vorteil hielt noch nach einem Jahr an. Die Kortisonspritze brachte zwar kurzfristig Linderung, langfristig aber weniger als das aktive Programm.

In der Praxis beginnt ein solches Programm nicht mit schweisstreibendem Training, sondern mit Halteübungen, bei denen die Gesässmuskeln anspannen, ohne dass die Hüfte nach innen kippt – etwa ein leichtes Zusammenpressen eines Kissens zwischen den Knien in Rückenlage. Später kommen Übungen im Stand dazu, die das Becken stabil halten, wenn man auf einem Bein steht. Der Aufbau erfolgt langsam und über Wochen, denn Sehnen brauchen Zeit und regelmässige, dosierte Reize, um belastbarer zu werden. Umfragen unter Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zeigen dasselbe Bild: Aufklärung zur Belastung und Kräftigung der Hüftabspreizer sind heute die am häufigsten eingesetzten Bausteine. Eine individuell abgestimmte Anleitung ist dabei sinnvoll, weil die richtige Dosierung über den Erfolg entscheidet.

Geduld ist Teil der Behandlung

Eine gereizte Sehne beruhigt sich über Wochen, nicht über Nacht. Wer die einklemmenden Haltungen konsequent meidet, das Kissen-Setup nutzt und behutsam kräftigt, gibt der Sehne die besten Voraussetzungen. Bleiben die Schmerzen trotz dieser Massnahmen über Wochen bestehen oder verschlimmern sie sich, ist eine fachliche Abklärung der nächste Schritt.

Unterm Strich lohnt sich der Perspektivwechsel: Nächtlicher seitlicher Hüftschmerz ist selten ein Fall für die Matratzenabteilung und meist auch keine beginnende Arthrose, sondern eine Sehne, die auf Druck reagiert. Wer die einklemmenden Positionen aus Tag und Nacht nimmt, das Bett mit einem Kissen zwischen den Knien einrichtet und die Gesässmuskulatur behutsam kräftigt, setzt genau dort an, wo die Forschung den grössten Nutzen sieht. Verwandte Themen wie das Piriformis-Syndrom oder allgemeine Hüftbeschwerden behandeln wir an anderer Stelle im Journal. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung; bei anhaltenden oder starken Beschwerden ist die individuelle Abklärung der bessere Weg.

Häufige Fragen

Warum schmerzt die Hüfte nachts beim Liegen auf der Seite?

Meist steckt eine gereizte Sehne der Gesässmuskulatur am seitlichen Hüftknochen dahinter, das sogenannte Grosse-Trochanter-Schmerzsyndrom. In Seitenlage presst das Körpergewicht die Sehne gegen die Unterlage, und die obere, nach innen gekippte Seite klemmt die Sehne zusätzlich gegen den Knochen ein. Deshalb wacht man typischerweise vom Liegen auf der schmerzenden oder auf der gegenüberliegenden Seite auf.

Ist es Arthrose, wenn die Hüfte nachts schmerzt?

Nicht unbedingt. Seitlicher Hüftschmerz, der genau über dem tastbaren Knochenvorsprung sitzt und sich beim Liegen auf der Seite meldet, geht meist von den Sehnen der Gesässmuskeln aus, nicht vom Gelenk. Hüftarthrose macht dagegen eher Schmerzen tief in der Leiste und beim Gehen und schränkt die Beweglichkeit ein. Sicher klären lässt sich die Ursache nur durch eine ärztliche Untersuchung.

Welche Schlafposition hilft bei Hüftschmerzen?

Am schonendsten ist für viele die Rückenlage mit einem flachen Kissen unter den Knien, weil dabei kein Gewicht auf der Sehne liegt. Wer auf der Seite schlafen möchte, legt sich auf die weniger schmerzhafte Seite, hält die Beine parallel und schiebt ein festes Kissen zwischen die Knie. Das obere Bein sollte nicht über die Mittellinie nach unten kippen, weil das die Sehne einklemmt.

Hilft ein Kissen zwischen den Knien gegen Hüftschmerzen?

Ja, für viele Betroffene spürbar. Ein Kissen zwischen den Knien hält das obere Bein auf Höhe der Hüfte, statt es nach innen kippen zu lassen. So bleibt die Gesässsehne entlastet, statt gegen den Knochen gepresst zu werden. Das Kissen sollte fest genug sein, um über Stunden nicht flach zu werden, und idealerweise von den Knien bis zu den Knöcheln reichen.

Sollte ich die schmerzende Hüfte dehnen?

Meist nicht. Klassische Hüftdehnungen ziehen das Bein über die Körpermitte und pressen die gereizte Gesässsehne gegen den Knochen – das kann die Beschwerden verstärken. Sinnvoller ist es, einklemmende Positionen zu meiden und die Gesässmuskulatur behutsam zu kräftigen. Bei Unsicherheit über die richtigen Übungen hilft eine fachliche Anleitung.

Quellen & Literatur

  1. Mellor R, Grimaldi A, Wajswelner H, Hodges P, Abbott JH, Bennell K, Vicenzino B. Exercise and load modification versus corticosteroid injection versus «wait and see» for persistent gluteus medius/minimus tendinopathy (the LEAP trial). BMC Musculoskeletal Disorders. DOI: 10.1186/s12891-016-1043-6. Abgerufen 2026.
  2. Stephens G, O'Neill S, French HP, Fearon A, Grimaldi A, et al. A survey of physiotherapy practice (2018) in the United Kingdom for patients with greater trochanteric pain syndrome. Musculoskeletal Science and Practice. DOI: 10.1016/j.msksp.2019.01.004. Abgerufen 2026.
  3. McMillan RM, Ganderton CL, Cook J, Semciw AI, Long DM, Pizzari T. Menopausal hormone therapy, exercise, or both for greater trochanteric pain syndrome: a randomized clinical trial (Bedeutung von Belastungssteuerung und Vermeidung von Sehnenkompression). The American Journal of Sports Medicine. DOI: 10.1177/03635465211061142. Abgerufen 2026.
  4. Stephens G, O'Neill S, Clifford C, Cuff A, Forte F, Hawthorn C, Littlewood C. Greater trochanteric pain syndrome in the UK National Health Service: a multicentre service evaluation. Musculoskeletal Care. DOI: 10.1002/msc.1419. Abgerufen 2026.

Fachliteratur teilweise über PubMed recherchiert. Die genannten Studien dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Diagnose.

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